Die Architektur
Klassizistisches Pathos und eine stringent moderne Auffassung mit einzelnen expressionistischen Gesten verbinden sich in der Rudolf-Oetker-Halle zu einem außergewöhnlichen Baudenkmal. In ihm werden die großen Strömungen und bedeutenden Baustile der Architektur zu Anfang des 20. Jahrhunderts sichtbar. Material und Details sind dem Gedanken des „einfachen Bauens“ verpflichtet. Anmutung und räumliche Disposition beherrscht ein konservativ gestimmter Gestus. Entstanden ist ein Musentempel, der sein Publikum mit dem Pathos seiner neun monumentalen Bögen empfängt, wie durch eine Membran in sein eindrucksvoll schlichtes Foyer führt und über seine Treppenaufgänge hinauf zu den schönen Künsten geleitet.
Entworfen haben diese Stein gewordene Sinfonie der Sinne die Düsseldorfer Architekten Hans Tietmann und Kurt Haake. Ausgewählt von einer Fachjury unter 113 eingereichten Arbeiten. „Die Innenarchitektur des Großen Saales ist von strenger Sachlichkeit und findet in der äußeren Architektur einen würdigen Ausdruck“, lobte die Jury den Entwurf, der für sie den Titel „Die Neunte“ trug. „Der architektonische Aufbau des Ganzen ist von großer melodischer Schönheit.“
Vom Entwurf bis zum fertigen Bau war es dennoch ein langer Weg. So blieben beispielsweise von den vorgesehenen elf Bogenfeldern des Portals am Ende nur neun. Daran erinnern übrigens an der Stirnseite des Großen Saales die elf raumhohen Elemente der Orgelempore.
Die Jury attestierte dem Entwurf 1927 einen architektonischen Aufbau „von großer melodischer Schönheit“.
Die architektonischen Zahlenspiele regen bis heute die Phantasie des Betrachters an: neun Bögen am Portal, elf Elemente an der Stirnseite, fünf Achsen an den rückwärtigen Eingängen des Großen Saales oder wieder neun Fensterachsen an den Seitenrängen. Es sind immer wieder ungerade Zahlen, die sich an und in diesem Bau entdecken lassen. Sie sollen in diesem einzigartigen Konzerthaus eine Zentrierung auf die Mitte bewirken, Ruhe vermitteln und die Aufmerksamkeit ganz auf die Spannungsbögen der Musik richten.
Spielerisch ist auch der Einsatz baulicher Details: die vom Expressionismus inspirierten, farbig glasierten Keramikplatten in der eingeschossigen Eingangshalle. Die symmetrisch angelegten Garderobenanlagen, von allen Seiten begehbar, eigene Räume im Raum. Die auf dem Kopf hängenden „Sonnenschirm“-Leuchten, die so hintersinnig die Gänge als Flaniermeilen für die Pausen markieren.
In der Rudolf-Oetker-Halle verbinden sich hohe Funktionalität und schlichte Schönheit zu einem Konzertbau, der bis heute die Sinne herausfordert. Und an Theodor Adornos Wort erinnert: „Architektur ist gefrorene Musik.“
Architekten stellen die Rudolf-Oetker-Halle in eine Reihe mit Schinkels Schauspielhaus in Berlin, dem Concertgebouw in Amsterdam oder der Boston Symphony Hall.
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