Rudolf Oetker Halle Bielefeld: Veranstaltungen, Programme, Kulturprogramm, Musik, Tanz, Theater, Literatur, Performance

Haus und Historie

Die Rudolf-Oetker-Halle erinnert an den Sohn der bedeutenden Bielefelder Unter­nehmer­familie und steht bis heute für ausgeprägten Bürger­sinn, heraus­ragendes Engage­ment und den tradi­tionell hohen Stellen­wert kulturellen Lebens in der ost­westfä­lischen Metropole. Bereits 1925 trat die Familie Oetker mit einem noblen Vorschlag an die Stadt Bielefeld heran. Sie wollte ihrer Heimatstadt einen großen Konzertbau finanzieren. Zum Gedenken an Dr. Rudolf Oetker, den musikbegeisterten Sohn des Firmengründers, der 1916 im 1. Weltkrieg gefallen war. Und „den Lebenden zur Freude und Erhebung an den Werken der Tonkunst“ – wie es auf einer Schrifttafel in der Eingangshalle heißt.

Die Bauphase

Auf Initiative von Oberbürgermeister Dr. Rudolf Stapenhorst entschied man sich im Frühjahr 1926 für den Standort an der Westseite des Bürgerparks. Aus dem nun folgenden Architektenwettbewerb gingen 1927 die Düsseldorfer Architekten Hans Tietmann und Kurt Haake als Sieger hervor.
Ihr Entwurf („Die Neunte“) erfuhr in den folgenden Monaten einige Änderungen, vor allem um eine erstklassige Akustik für den Konzertbau sicher zu stellen. Der große Saal sollte auf Anregung des Magistrats durch Seitenränge verbreitert werden. Außerdem entschloss man sich, die Technik ins Untergeschoss zu verlegen. Diese Änderungen verzögerten den Baubeginn und trieben die veranschlagte Bausumme von 1,5 Millionen Mark in die Höhe.

Die Bauphase

Um Kosten zu senken, deckte man beispielsweise das Dach nicht mit Kupfer, sondern mit grün besandeter Pappe. Zudem verzichtete man auf die Lederpolsterung des Gestühls im Saal. Nachdem Lina Oetker, die Frau des Firmengründers August Oetker, sich großzügig bereit erklärt hatte, die weiteren Mehrkosten zu übernehmen, konnte der Bau endlich beginnen.
In zwei Jahren Bauzeit entstand schließlich diese große Konzerthalle. Wie knapp die Zeit kalkuliert war, zeigte sich am Tag der Einweihung. Bevor das Städtische Orchester unter Leitung von Max Cahnbley den Bau mit Brahms, Bach und Beethoven zum Klingen bringen konnte, musste erst noch schnell das Bauamt seine Mitarbeiter zur Schlussabnahme durchs Haus schicken.

Das fertige Haus

Das Glück blieb der Rudolf-Oetker-Halle auch in den kommenden Jahrzehnten gewogen. Schnell wurde sie nicht nur hoch geschätztes Podium für lokale Musikvereinigungen wie den Bielefelder Kinderchor und natürlich den Musikverein der Stadt Bielefeld, die hier bis heute ihre Konzerte geben. Bereits 1931 begeisterte sich auch Wilhelm Furtwängler für den Konzertbau und blieb ihm bis zu seinem Tode treu. Zahlreiche weitere große Dirigenten, Orchester und Solisten folgten ihm gerne. Darunter Herbert von Karajan, Igor Oistrach, Gidon Kremer oder Kurt Masur.
Die Schrecken des Krieges überstand das Haus mit leichten Schäden am nordwestlichen Vorbau an der Lampingstraße. Bereits am 30. September 1945 erklang im Saal wieder Mozarts Requiem.
Im Jahre 1968 erreichte der Wind der Veränderung die Rudolf-Oetker-Halle. Man entschloss sich, den Konzertbau künftig auch für die leichtere Muse zu öffnen. Weltstars wie Hildegard Knef, Gilbert Becaud, Miriam Makeba oder Mario Adorf standen seitdem hier auf der Bühne.

Seit ihrer Renovierung direkt nach dem Kriege erlebte die Rudolf-Oetker-Halle nur geringfügige Umbauten. Die Technik wurde nach und nach modernisiert, 1977 ein behindertengerechter Aufzug eingebaut. 1997 musste das alte Gestühl im Großen Saal ausgewechselt werden. Es knarrte mittlerweile vernehmlich. Der Vorplatz wurde in den 70er wie auch in den 90er Jahren neu gestaltet.
Den größten Umbau seit seiner feierlichen Eröffnung erfuhr das Haus 2004. Es musste für zwei Jahre dem Musiktheater der Städtischen Bühnen vorübergehend Obdach bieten. Architekt Frank Otterbach gestaltete die Umbauten so, dass sie nach Ende der beiden Spielzeiten wieder problemlos zurückgebaut werden konnten. Und die Rudolf-Oetker-Halle wieder zu dem machte, was sie schon immer war: ein großer Konzertbau für große Künstler.

Die Ru­dolf-Oet­ker-Hal­le ist ei­ner der be­deu­tends­ten Kon­zert­bau­ten Deutsch­lands. Am 31. Ok­to­ber 1930 wur­de sie mit Jo­han­nes Brahms 1. Sym­pho­nie in c-Moll ein­ge­weiht.